Wandern mit Baby in den Alpen – Übernachtung im Hochgernhaus

Weil meine Frau mindestens ebenso gern in die Berge geht wie ich, sie dies aber logischerweise schon während der Schwangerschaft nicht mehr so gut konnte, fieberten wir schon seit der Geburt unserer Tochter auf den Tag hin, an dem wir endlich als Familie in die Berge gehen konnten. Es gibt tausend gute Gründe, ein solches Unterfangen immer weiter nach hinten zu verschieben – daher beschlossen wir kurz vor Pfingsten, dass aber auch mindestens tausendundeins gute Gründe gibt, es einfach mal zu versuchen!

Ziel war der Aufstieg vom Marquardtstein am schönen Chiemsee zum Hochgernhaus, Übernachtung in der Hütte, optional eine Gipfelbesteigung am nächsten Morgen, dann frühstücken und gemütlich wieder hinunter ins Tal. Hier kannst du nachlesen, wie es gelaufen ist, und was wir für eine solche Hüttenwanderung empfehlen würden.

Das Hochgernhaus im Chiemgau mit dem Kaisergebirge im Hintergrund.

In welchem Alter kann das Baby in die Berge?

Obwohl wir seit Monaten darauf hinfieberten, war unsere Tochter am Ende 6 1/2 Monate alt, als wir diese Hüttenübernachtung in den Bergen in Angriff nahmen. Zwei Wochen davor waren wir bereits zum ersten Mal im Schwarzwald auf Wegen mit ihr unterwegs gewesen, auf denen wir keinen Kinderwagen mitnehmen konnten. Wir stellten fest: Es ging erstaunlich gut!

Ihr gefiel die Natur und die dauernde Nähe zu meinem Körper oder dem der Mama. So saß sie grundzufrieden in der Trage und genoss die Natur. Vielleicht hätten wir es also schon viel früher mal ausprobieren können. Andererseits spielte im Mai ja das Wetter noch gar nicht so recht mit.

Wie trägt man das Baby? Und wie den ganzen Rest?

Wir verwendeten die ganz normale Trage von Manduca, die wir auch im Alltag verwenden, und schnallten sie meist so, dass unsere Tochter auf einem unserer Rücken saß. Voraussetzung dafür ist, dass das Baby seinen Kopf dauerhaft alleine stabil halten kann. Ansonsten könnte man es vor dem Bauch tragen, was wir auch taten, wenn sie müde wurde.

Der andere Partner trug den gesamten Rest. Das heißt, einen Rucksack, der vollgepackt war mit unseren Wechselklamotten und – viel platzraubender – dem ganzen Babykram. Also ungefähr:

  • Wechselkleidung
  • Jacke
  • Mütze
  • Essenslätzchen
  • Alle Mahlzeiten im Gläschen
  • Löffel
  • Spucktuch
  • Spielzeug
  • Nachthemd
  • Schlafsack
  • Windeln
  • Wickelunterlage
  • Feuchttücher
  • Trinkflasche für Wasser
  • Trinkflasche für Milch
  • Premilch-Pulver
  • Thermoskanne
  • Sonnencreme
  • Sonnenmütze

Das klingt schlimmer als es ist, denn zum Glück ist das ja alles winzig klein. Es genügte ein normaler Tagesrucksack, der allerdings mit unseren Wechselsachen picke-packe-voll war und ca. 10 kg wog.

Wie lange dauert die Anreise? Doppelt so lang!

Ich gehöre nicht gerade zur geduldigen Sorte Mensch und bin eher jemand, der morgens aus dem Bett springt und los will. Da nimmt einem so ein ein Baby aber ganz schnell den Wind aus den Segeln!

Man will ja schließlich nichts vergessen, und zum Glück überlegt meine Frau daher lieber dreimal, bevor wir wirklich aufbrechen. Immerhin, so hatten wir am Ende auch alles Wichtige dabei.

Also: Anstatt – wie früher – um 7 Uhr aufzuspringen, loszufahren und um 9 Uhr loszuwandern, schliefen wir erstmal aus. Unsere Nächte sind halt noch immer von mehreren Pausen unterbrochen. Dann wurde gefrühstückt, gepackt und erst kurz vor Mittag saßen wir im Auto. Um den Mittagsbrei aufzuwärmen und selbst etwas zu essen, hielten wir (bei einer 90-minütigen Anreise) schon nach der halben Zeit bei einem Restaurant.

Und auch als wir endlich am Wanderparkplatz ankamen, dauerte es nochmal eine gefühlte Eeeeewigkeit bis wir loswanderten. Allein bis das Gesicht unserer Tochter mit Sonnencreme eingeschmiert war…

Los ging es dann um 14 Uhr!

Der Aufsteig zum Hochgernhaus

Zwei Sorgen hatten wir vor allen Dingen vorab

  1. Dass unsere Tochter einen Sonnenbrand oder einen Sonnenstich bekommt und
  2. dass wir sie klatschnass vollschwitzen und sie sich in der Höhe dann eine Erkältung einfängt.

Daher war diese Wanderung wohlgewählt: Zwar waren vom Parkplatz bis zur Hütte immerhin stolze 900 Höhenmeter zu überwinden, der Aufstieg fand jedoch fast ausschließlich im Schatten statt, und auch wenn man immer wieder steile Abkürzungen wählen konnte, gab es auch immer die Option, einer Forststraße mit moderatem Aufsteig zu folgen. So erwiesen sich beide Sorgen weitestgehend als unbegründet, ich kann aber dieses Auswahlkriterium nur emfehlen!

Wir wanderten gemütlich, auch weil es die erste richtige Bergtour meiner Frau nach der Schwangerschaft war. Wenn unsere Tochter schlief, machten wir auch mal Strecke gut, ansonsten richteten wir uns nach ihren Bedürfnissen.

Etwa nach dem halben Weg bot die Agersgschwendtalm die Möglichkeit, unsere Wasserflasche wieder aufzufüllen. Hier waren wir bereits hoch genug, um die Gipfel des Kaisergebirges über die umliegenden Berge ragen zu sehen. Eine tolle Aussicht! Aber von oben noch viel toller…

Der Abend auf der Hütte

Nach drei Stunden erreichten wir, trotz ausgiebiger Pause für den Nachmittagsbrei, bereits das Hochgernhaus. Die Aussicht reichte über das Kaisergebirge im Osten bis weit über das Steinerne Meer im Westen. Dazwischen war sogar in der Ferne der Hauptalpenkamm mit zahlreichen Drei- und Viertausendern zu sehen. Da es im Mai nochmal richtig geschneit hatte, leuchteten sie in sattem Weiß.

Wir hatten im Vorfeld Sorge, ob man mit Baby auf so einer Berghütte überhaupt gern gesehen ist. Telefonisch hatten wir uns natürlich angekündigt und ein Doppelzimmer reserviert. Das hätte uns allerdings gar nichts gebracht, denn darin stand kein Doppelbett, sondern nur zwei Betten nebeneinander, mit dicken Holzbalken dazwischen. Unsere Tochter würden wir also nicht in die Mitte nehmen können. Also nahmen wir ein Zimmer mit Stockbett und Einzelbett und nutzen das obere Stockbett zum Sortieren des Gepäcks.

Außer dem sehr freundlichen und hilfsbereiten Hüttenpersonal war außerdem eine große Wanderergruppe des DAV da. Unsere Sorge erwies sich als völlig unbegründet, und eigentlich hätten wir es ja ahnen können: Ein Baby ist der schönste Türöffner! So ergaben sich gleich nette Gespräche mit anderen Wanderern.

Ich weiß, ich hab die Haare föhn. Passt aber super zum Wetter.

Die Nacht im Hochgernhaus

Da unsere Tochter normalerweise um 19 Uhr schläft, wir aber nicht in dem kleinen Zimmer versauern wollten, entschieden wir uns für einen Kompromiss: Ich nahmt sie in die Trage, wo sie schon ein wenig schlummerte, und spazierte mit ihr um die Hütte. Um 20 Uhr ging’s aufs Zimmer, nach 21 Uhr dann mit der Dunkelheit ohnehin bald ins Bett.

Die Nacht war dann wunderbar erholsam – für unsere Tochter. Für uns nicht so wirklich, das war aber abzusehen, denn unsere Tochter mag nachts noch immer viel Nähe. Und da wir nicht 40 andere Menschen auf der Hütte wachhalten wollten, fiel unsere Babybetreuung eben ein wenig intensiver aus als sonst. Insbesondere meine Frau war gefordert, denn sie schlief mit unserer Tochter in einem Bett – und kuschelte quasi permanent mit ihr.

Aber auch ich wurde wachgehalten, weil es bei knarzenden Holzbetten ja nie wirklich ruhig wird, und weil ich – als über 1,90m großer Mann – den Sinn von Betten mit Fußenden noch nie verstanden habe. Ausstrecken war unmöglich. Außerdem waren die Decken der Hütte ungefähr einen halben Meter dick, die Nacht aber recht mild – eine schweißtreibende Kombination.

Zu allem Überfluss zog in der Nacht ein Sturm über die Berge und brachte das alte Holzhaus zum musizieren – die klappernden Türen übernahmen die Aufgabe der Perkussionsinstrumente. Daher waren wir heilfroh, als endlich der nächste Morgen anbrach.

Abstecher zum Gipfel und Abstieg

Während der eine auf unsere Tochter aufpasste, wollte der andere mal eben noch kurz auf den Gipfel stürmen. Es war sehr frisch in der Früh, außerdem dachte ich, ich wäre fit – also beschloss ich zu joggen. Nach höchtens 100 Metern zerriss es mir schon fast die Lunge in der Brust. Gott, ist Berglauf anstrengend!

Es galt ein paar Schneefelder zu bewältigen, doch der Aufsteig lohnte sich: Obwohl über Nacht Wolken aufgezogen waren, war die Aussicht über die Alpen noch immer fantastisch – und im Norden erstreckte sich der wunderschöne Chiemsee über die Ebene. Definitiv ein guter Ausflug vor dem Frühstück.

Und so waren wir gegen 10 Uhr als letzte Hüttenbewohner fertig für den Abstieg. Unseren Müll – vor allen Dingen gebrauchte Windeln – nahmen wir wieder zurück ins Tal, daher war das Gepäck nicht wirklich leichter als am Vortag. Aber immerhin ging es ja nun nur noch bergab.

Da es noch immer recht frisch war, behielt unsere Tochter ihren warem Schlafanzug einfach an, trug zusätzlich Jacke, Hose, Socken und Mütze – Zwiebelloock mit dem, was wir dabei hatten – und fand wieder großen Gefallen an den Geräuschen und Bildern des Waldes.

Fazit

Da es auf der Hütte keine Dusche gab, waren wir zwar bis in die letzte Ecke des Körpers verklebt, also wir gut zwei Stunden später wieder im Tal ankamen, aber auch überglücklich über die schöne Tour, die wir als Familie erlebt hatten. Und auch ohne Dusche ist das Hochgernhaus durchaus für eine Hüttenübernachtung zu empfehlen – Lage, Erreichbarkeit, Aussicht und Küche sind top!

Und was das Wandern mit Baby betrifft: Wenn man darüber nachdenkt, ist es doch das natürlichste der Welt – sein Baby mal auf dem Rücken, mal vor dem Bauch durch den Wald zu tragen. So, wie unsere Vorfahren das jahrtausendelang taten. Und genau so natürlich fühlte es sich auch an.

Unsere Tochter war absolut entspannt und genoss die zwei Tage sehr. Wir nahmen uns Zeit und planten die Tour entsprechend kürzer als früher. Und auch wenn die Nacht für uns Eltern auf der Hütte nicht grade erholsam war, so kann ich so eine Hüttenwanderung also dennoch absolut empfehlen!

Habt ihr schon ähnliche Erfahrungen gemacht? Habt ihr euch gegen eine so frühe Tour entschieden? Oder wart ihr vielleicht sogar schon viel früher wieder unterwegs? Schreibe mir gerne einen Kommentar!

Unsere erste Hüttenwanderung mit Baby hat super geklappt! Was sind eure Erfahrungen?

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